CampusRevier: Zu Gast für unser Interview ist heute Sandra Buchhorn, ihres Zeichens Studentin der Theater- und Religionswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Hallo Sandra!
Sandra: Hallo.
CampusRevier: Wir möchten heute ein kleinwenig mit dir darüber reden, was es eigentlich genau mit dem Optionalbereich auf sich hat. Die Nicht-Studis oder Studienanfänger unter uns können sich sicherlich nicht direkt was darunter vorstellen und daher ist es bestimmt ganz interessant, wenn du uns vielleicht zu Beginn einen kurzen Überblick darüber gibst, um was es sich dabei im Allgemeinen handelt und welche Möglichkeiten der Optionalbereich eigentlich so bietet.
Sandra: Also der Optionalbereich ist im Grunde so etwas wie ein drittes Fach neben unserem Studium, das es uns erlaubt, etwas zu wählen, was eigentlich nicht direkt mit unserem Studium zu tun hat. So z.B. etwas aus der Biologie, oder das Absolvieren eines Praktikums, oder auch etwas im Bereich Kommunikation.
CampusRevier: Das heißt also, es bietet die Möglichkeit so ein bisschen über den Tellerrand des eigenen Studiums hinauszuschauen und sich Zusatzinhalte vermitteln zu lassen. Das hört sich ja im ersten Moment eigentlich ganz interessant an. Gibt es da vielleicht etwas, was du persönlich daran zu bemängeln hättest, oder ist das alles ganz okay so für dich?
Sandra: Ja im ersten Moment hört sich das wirklich ganz nett und gut an, aber wenn man mit dem Studium beginnt, merkt man eigentlich recht schnell, dass es ziemlich schwer ist überhaupt einen Platz im Optionalbereich zu bekommen. Wir müssen um unsere Plätze regelrecht kämpfen, da sie per Losverfahren zugeteilt werden und es meisten weniger Plätze als Studenten an unserer Uni gibt. Und da jeder in diesem Bereich 30 Credit Points sammeln muss, wird es schwer.
CampusRevier: Man braucht also 30 Credit Points, um seinen Bachelor machen zu können. Wie viele Punkte bekommt man eigentlich für ein abgeschlossenes Modul des Optionalbereichs?
Sandra: Eigentlich bekommst du für einen normalen Kurs 5 Punkte. Wenn du ein Praktikum machst, bekommst du 10. Es gibt allerdings auch Kurse, für die du auch 10 Punkte erhältst, was aber eher nicht der Regelfall ist.
CampusRevier: Das bedeutet also, dass du, bei einer Regelstudienzeit von sechs Semestern, im Schnitt pro Semester einen normalen Kurs für 5 Punkte abschließen müsstest. Ist das überhaupt zu schaffen?
Sandra: Wie schon gesagt, ist es relativ schwer einen Platz zu bekommen und von daher ist es eigentlich kaum zu schaffen. Es sei denn, du machst ein Praktikum, suchst dir einen Kurs für 10 Punkte und machst dann noch zwei Kurse für 5 Punkte. Dann hast du es!
CampusRevier: Dann muss man aber dennoch versuchen, sich zeitlich alles so einzuteilen, dass es klappt. Wir hoffen natürlich, du konntest das bisher ganz gut organisieren. Du bist ja jetzt im vierten Semester und hast sicherlich schon einiges an Erfahrung mit dem Optionalbereich sammeln können. Was hast du denn bereits für Kurse gehabt?
Sandra: Letztes Semester hatte ich keinen Kurs. Dieses Semester hab ich die Teilnahme für einen Kurs erhalten, der mir aber persönlich doch nicht so zusagte, da ich für 5 Credit Points zwei Klausuren hätte schreiben müssen, sechs Blocktermine hätte wahrnehmen müssen und auch noch zusätzlich in der Woche hätte Zeit haben müssen.
CampusRevier: Und um was für einen Kurs handelte es sich?
Sandra: Das war „Einführung in die Tabellenkalkulation“.
CampusRevier: Klingt ja schon etwas „trocken“ im Vergleich zu deinem geisteswissenschaftlichen Studium. Was war denn so deine Erfahrung mit diesem Kurs?
Sandra: Es war ziemlich viel Aufwand für die paar Pünktchen und wie du schon sagtest, war er relativ „trocken“. Außerdem war er zeitlich auch nicht wirklich mit meinem Stundenplan vereinbar.
CampusRevier: Das war ja dann eher eine negative Erfahrung. Hast du denn auch positive Erfahrungen mit dem Optionalbereich machen können? Gab es vielleicht einen Kurs, der dir besonders gut gefallen hat?
Sandra: Wie schon erwähnt, kann man ja ein Praktikum absolvieren. Und da ist man eigentlich ziemlich frei in der Wahl. Ich hab eins im Theater gemacht und das hat mir dann persönlich schon viel gebracht.
CampusRevier: Du hast dir also etwas ausgesucht, was unmittelbar mit deinem Studium zu tun hat. Was genau musstest du dann im Theater machen?
Sandra: Ich war dort als Regieassistentin tätig und habe einfach mal einen Einblick in das Theaterleben bekommen. Ich konnte überall mitarbeiten, durfte bei den Proben zugucken, und habe beim Bau des Bühnenbildes mitgeholfen.
CampusRevier: Da konntest du sicherlich einiges an guten Erfahrungen mitnehmen. Hast du denn, neben deinem Praktikum und der „Tabellenkalkulation“, sonst noch irgendwelche Kurse gehabt?
Sandra: Ja. Ich hatte „Methoden angewandter Kommunikation“, kurz gesagt MAK. Bei diesem Kurs erhielt ich Einblicke, wie Kommunikation funktioniert.
CampusRevier: Wie war der Lerneffekt? Konntest du da auch ein bisschen was draus mitnehmen?
Sandra: Nicht so wirklich. Es war zwar ganz nett, aber eigentlich ist nachhaltig nichts davon geblieben.
CampusRevier: War das alles, was du bisher aus dem Optionalbereich in deinem Studium gemacht hast?
Sandra: Ja.
CampusRevier: Also musst du dann noch ein paar Kurse absolvieren, um die volle Punktzahl zu erreichen, die für den Bachelor-Abschluss gefordert werden. Hast du denn schon eine Idee, welche Kurse du vielleicht im nächsten Semester wählen möchtest?
Sandra: Ja. Vielleicht etwas aus dem Institut für Biologie, etwas mit Tierphysiologie. Oder vielleicht eine Sprache.
CampusRevier: Das hört sich ja schon mal viel versprechend an. Bleibt abschließend noch die Frage, ob der Optionalbereich für dich Sinn macht, oder würdest du da doch lieber drauf verzichten, wenn du die Möglichkeit hättest?
Sandra: An sich halte ich es für eine nette Idee, aber die Umsetzung finde ich schlecht. Es ist ja schon ganz schön, mal aus den Alltag seines Studiums herauszukommen und sich andere Bereiche anzugucken. Aber dies unter Druck machen zu müssen, um seine Credit Points zu bekommen, mit der Angst, es vielleicht doch nicht zu schaffen, halte ich nicht für wirklich sinnvoll.
CampusRevier: Also wäre dein Fazit, dass der Optionalbereich schon eine gute Idee ist, aber mit der derzeitigen Organisationsform nicht wirklich Sinn macht. Damit bedanken wir uns bei dir und wünschen dir noch viel Erfolg für dein weiteres Studium.
Sandra: Danke. Euch auch noch viel Erfolg.