
Ein etwas anderer Studentenjob…
4. August 2009
Die Sonne scheint, Kinder verschiedenen Alters und einige Hunde tummeln sich auf dem alten Hof. Es handelt sich um den Flother Hof in Mülheim an der Ruhr. In dieser Pferdepension hat auch Jenny L. ihr Pferd stehen und um dieses nicht gerade günstige Hobby zu finanzieren hat sie einen ganz besonderen Studentenjob: Sie gibt in ihrer Freizeit Reitstunden, „Den schönsten Studentenjob, den man sich vorstellen kann.“, wie sie sagt. Die meisten ihrer Schüler sind Kinder zwischen 7 und 12, aber auch Erwachsene suchen sie auf um in dem ruhigen Ambiente, ganz anders als in den hektischen Reitschulen, Unterricht zu bekommen. Jenny ist 23 und studiert an der Ruhr-Uni in Bochum Mathematik und Biologie. Sie möchte Lehrerin werden und liebt Kinder über alles. Jenny hat noch ein wenig Zeit bevor ihre Schüler eintreffen und zeigt mir den Stall. Wir schlendern durch die Stallgasse, in der 9 Boxen sind. Alle sind leer, die Pferde stehen den ganzen Tag auf den Wiesen und lassen sich die Sonne auf den Rücken scheinen. Bei so schönem Wetter holt der Stallbesitzer die Tiere oft erst gegen 22 Uhr rein und lässt sie schon um 8 Uhr morgens wieder auf die Wiesen. Jenny erzählt, dass die Pferde abends auf die Rufe des Stallbesitzers reagieren und von alleine in ihre Boxen laufen um dort das bereitstehende Futter zu genießen. Ein schmaler Kiesweg, der sich von der Stallgasse aus zwischen einem kleinen Privatsee und dem Garten der Inhaber an den Winterpaddocks entlang schlängelt, führt zu dem Reitplatz. Man hört die Vögel zwitschern und es riecht nach frisch gemähtem Gras. Die Bauern haben gerade Heu geschnitten, das nun zum Trockenen auf den Wiesen liegt. Am Reitplatz entlang plätschert ein Bach. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Kurz vor drei. Gleich kommen die ersten Schüler. Also zurück zum Hoftor um dort die Kinder in Empfang zu nehmen. „Meine Jüngsten!“ erzählt Jenny. Die Schülerinnen, die sie erwartet sind erst 7 und somit die Kleinsten. Mej und Lea kommen einmal die Woche und nehmen bei Jenny Unterricht. Mejs Mutter, Bettina, begleitet die beiden jede Woche und ist auch auf den Geschmack gekommen. Sie hat im Februar ebenfalls ihre erste Reitstunde auf dem Flother Hof hinter sich gebracht und wird auch heute nach den beiden Kids ihre wöchentliche Reitstunde haben. „Späteinsteiger sind gar nicht so selten“ erzählt Jenny. Ein blauer Kombi kommt auf den Hof gefahren. Die Kinder springen aus dem Auto. Jenny geht mit den Kindern die Halfter holen um mit ihnen gemeinsam auf die Wiese zu laufen und die Pferde zu holen. „Sonst sind wir zu zweit. Eine Freundin von mir finanziert auch so ihr Studium, ist aber heute nicht da. Deswegen mache ich ihre Stunde mit und hole auch Joey.“ Joey ist der Tinker-Mix von Sarah, Jennys Freundin. Die beiden vertreten sich öfter gegenseitig, so dass keine Reitstunden ausfallen müssen, wenn mal jemand krank ist oder für eine wichtige Klausur gelernt werden muss. Jenny stapft mit den Kids den Hügel zu den Wiesen hoch um die Pferde zu holen. Bettina setzt sich derweil schon einmal in die Sonne und genießt das Wetter. Die Kinder haben zuerst ihre Reitstunde. Sie erzählt, dass sie froh ist, so spät noch mit dem Reiten angefangen zu haben, dass sie die Ruhe dieses Sports genießt. Es dauert eine Weile bis Jenny mit den Kindern zurück kommt. Die Wiesen sind groß. Als sie durch das Tor von den Wiesen kommen, sieht man die Pferde: Einen kleinen Schecken, „Joey“, und ein getupftes Kleinpferd, „Sugar“, eine Knappstrupper-Stute. Jenny nennt sie „Pipi-Langstrumpf-Pferd“. Das ist gut getroffen, denn so sieht sie aus. Die Kinder wissen offensichtlich schon wo alles steht und holen, gleich nachdem Jenny ihnen geholfen hat die Pferde anzubinden, das Putzzeug aus der Sattelkammer um eifrig mit dem Putzen zu beginnen. Hier packt Bettina nun auch mit an. Die Reitstunde an sich läuft ruhig ab, Jenny lässt die Kinder viel selbst probieren und die Pferde Lehrer sein. Diese sind gut ausgebildet und reagieren nur auf richtige Kommandos. Bälle und Pylonen werden auch mit eingebaut, so dass Slalom-Reiten und Ballspielen vom Pferd aus das ganze zu einem Spiel umgestalten. Jenny bleibt immer fröhlich und freundlich und versucht den Kindern das Reiten spielerisch beizubringen. Nach 45 Minuten ist Bettina dran, nachdem Joey wieder auf die Wiese gebracht wurde. Nun läuft die Stunde etwas anders ab, Jenny ist zwar immer noch freundlich, gibt aber wesentlich mehr Hinweise. Bettina kommt schnell ins Schwitzen, doch strahlt sie dabei, denn Jenny vergisst nicht sie zu loben. Motiviert gibt Bettina ihr Bestes. Der Platz staubt und die Sonne gibt ebenfalls ihr Bestes, so dass sogar Zuschauer ins Schwitzen kommen. Nach den Reitstunden schlendern alle gemeinsam wieder auf den Hof und Jenny gibt dabei ihr Feedback. Die Kinder bringen Sugar nach dem Absatteln auf die Wiese zurück. Jenny hat für heute ihr Geld verdient. Nachdem ihre Schüler sich verabschiedet haben, hat sie nun etwas Zeit für sich und setzt sich selbst noch etwas in die Sonne zu ein paar anderen Pferdebesitzern und dem Stallinhaber, die es sich mittlerweise auf ein paar Gartenstühlen bequem gemacht haben. Hier wird noch etwas Smalltalk gepflegt und das Wetter genossen. Nur Vogelgezwitscher und zwischendurch ein Wiehern oder Hundegebell sind zu hören und man kann beobachten, wie die Schwalben in kurzen Abständen in die Stallgasse fliegen und wieder herauskommen, da sie dort ihre Nester haben und die Junge versorgen.
von
Yvonne Schmidt
Ein echt guter Studentenjob. So einen hätte ich wärend meinem Studium auch gerne gemacht!